
Hier könnt ihr das gesamte Interview als MP3 downloaden.
(Beantwortet von Arne und Katharina)
Seid ihr das erste Mal in der
Schweiz?
A: Nein, das ist unser zweites Konzert hier in der CH. Wir waren
schon mal im Januar 2004 hier und das war eigentlich das coolste
und schönste Konzert, das wir je in unserer Laufbahn nach dem
WGT erlebt haben. Es war einfach nur toll, weil das Schweizer Publikum
total enthusiastisch ist und weil Sini von der Endstation einfach
ein super Veranstalter ist.
K: Ja, wir erinnern uns immer wieder gerne an diesen Auftritt in
der CH und wir freuen uns, wieder hier zu sein und sind natürlich
gespannt auf das Publikum.
Wie ist die Band entstanden?
A: Oh, das ist schon etwas länger her. Das war 1997, als ich
noch so ein kleiner DJ war und eigentlich immer davon geträumt
habe, eigene Musik zu machen. Jedoch war ich am Anfang noch nicht
ganz dazu befähigt, richtig gute Musik zu machen. So habe ich
Noise und Industrial gemacht, denn diese Musik ist auf jeden Fall
einfacher zu machen als richtig schöne Melodien. Und anfangs
hiess Trümmerwelten nicht Trümmerwelten sondern Schädeltrümmer.
Mehr halt der Thematik entsprechend und nach und nach, weil h?ich
halt immer mehr Leute kennengelernt habe, z. B. den Clemens, der
heute immer noch als Techniker bei uns dabei ist, ist irgendwann
TW entstanden. Auch zu sagen, dass TW live ne ganz andere Sache
ist als früher, weil wir heute auch wirkliche Live –
Musiker dabei haben. Früher war die ganze Musik vom Band, heut
ist nur noch die Hälfte vom Band (lacht).
Ursprung des Namens Trümmerwelten?
A: Schädeltrümmer war damals halt in etwa die gleiche
Thematik wie TW, deswegen ist auch Trümmer dabei geblieben.
Mit der Musik von Schädeltrümmer sollte der Kopf gesprengt
werden....die Gedanken. Und TW ist ein wenig subtiler als Schädeltrümmer.
Damit ist gemeint, dass wir Menschen alle unsere kaputten Seiten
haben. Alle. Auch die Ausgeglichensten. Und egal wie viel Harmonie
wir schon gefunden haben, wir alle besitzen eine dunkle Seite. Und
TW soll halt mehr oder weniger die dunkle Seite des Menschen ein
bisschen reflektieren und nach vorne bringen - Beziehungsweise auch
die Lösung dazu. Momentan handelt TW von der Gefühlstrümmerwelt
die jede und jeder hat, das Negative. Wir planen auch durch den
positiven Einfluss von Katharina textlich ein wenig positiver zu
werden (lacht). Noch geht jedoch es eher um die negativen Seiten
unserer Trümmerwelt. (Wendet sich an Katharina)
K: Ich habe mit der Namensentstehung nicht viel zu tun. Wie man
aber jedoch an den Texten erkennen kann geht es halt um Beziehungen
die irgendwann mal scheitern. Und über die man sich im Nachhinein
nur den Kopf zerbricht.
Wer schreibt denn bei euch?h die Texte?
K: Auf der aktuellen Scheibe Herzverfall ist nur ein Song von mir.
Aber für die neue CD ist mehr von meiner Seite in Planung.
A: Also neue CD, wenn wir von neuer CD reden, wir haben nach Herzzerfall
wieder angefangen eine neue CD zu machen. Der momentane Arbeitstitel
heisst Optimiertes Leiden. Jedoch ist noch nicht alles ganz konkret.
Wir haben schon viele Songs, auch am heutigen Konzert werden wir
dem Publikum 3 Songs von der neuen CD vorstellen. Für die Alben
Digitale Gewaltorgien und Herzverfall habe ich alle Texte bis auf
zwei Ausnahmen selbst geschrieben – eine Bekannte hat noch
Texte geschrieben. Der Song Passion and Pain auf Herzverfall hat
Katharina selbst geschrieben. Auch zu erwähnen der Hintergrund
von Herzverfall, denn Herzverfall ist eigentlich das Resumée
von der gescheiterten Beziehung die Katharina und ich mal gehabt
haben.
Na, jetzt habt ihr schon so einiges beantwortet. Doch wie kam es
Zusammenarbeit mit Chris Pohls Label?
A: Och, das war ein ganz grosser Zufall. Ich bin halt DJ in Oldenburg.
Und damals habe ich irgendwie einen regionalen Hit gespielt von
Schädeltrümmer. Es war jedoch so, dass noch zwei Leute
von Berlin da gewesen sind, die Chris Pohl persönlich gekannt
haben. Die beiden Typen haben den Song gehört und fanden ihn
so geil, dass sie unbedingt ne Demo haben wollten. Zuerst wollte
ich denen die Demo nicht rausgeben, weil ich Demos prinzipiell nicht
gerne rausgebe. Die haben mich aber so lange belabert, dass ich
denen die Demo rausgegeben hab. Paar Wochen später hat mich
dann der eine angh?erufen und gesagt, dass er das Demo Chris Pohl
gegeben habe und der voll interessiert sei. Alles schön und
gut, nicht? Jedoch hat der eine Chris Pohl gesagt, dass sie zwei,
also die zwei Typen) Schädeltrümmer seien und ich nur
so ein bisschen dabei sei. Und das war ne ganz schöne Scheisse,
weil die haben sich dafür ausgegeben, dass es ihre Musik war.
Da war ich damals natürlich stinksauer. Aber das hat sich alles
aufgeklärt und dadurch ist der Kontakt mit Chris zu Stande
gekommen. Und als ich mit dem Song Phoenix den Sonic Seducer Preis
gewonnen habe, hatten wir eigentlich den Plattenvertrag. Mittlerweile
bin ich auch dem Typ nicht mehr böse, der diese Lügen
erzählt hat.
Sind die 80er eine Inspiration für eure Musik?
K: Für mich eigentlich eher weniger.
A: Na, das liegt daran, dass du noch nicht ganz soviel komponiert
hast.
K: Zum einen das und zum anderen bin auch noch nicht so alt (lacht).
Deswegen liegen meine Einflüsse wohl eher in den 90ern.
A: Also ich bin definitiv ein Kind der 80er. Und die 80er haben
mich ultra geprägt und ich weiss nicht – ich sehe meine
Inspiration nicht nur aus den 80ern, sondern halt auch aus Industrial.
Das ist ne Musik, die ich total geil finde. Da kann man so richtig
schön abtanzen. Ich mag Elektro, EBM, und ich versuche halt
mit Trümmerwelten so viel Welten wie möglich miteinander
zu vereinen. Weil ich hasse nichts mehr, als wenn man ne CD von
XY kauft und jeder Song hört sich wie der andere an. Und dadurch,
dass ich DJ bin, merk ich das auch, weil dieh? Leute dann dementsprechend
reagieren. Mit Trümmerwelten versuch ich halt dies zu verhindern.
Wir sind ja schliesslich Trümmerwelten und nicht Trümmerörtchen
(Gelächter).
Aber was ist schwieriger: das Komponieren oder die Texte zu schreiben?
K: Also bis jetzt war es so, dass Arne mir einige Roh – Projekte
gegeben hat, damit ich einen Text dazu schreiben kann. Jedoch kann
man nicht sagen, welches der beiden schwieriger ist. Je nachdem
wie der Song ist kann man leicht oder weniger leicht einen Text
dazu schreiben. Es kommt halt auch auf die Inspiration darauf an.
Andersherum gibt es auch die Situation, dass wir erst einen Text
haben, den wir einem Song anpassen müssen. Es ist also relativ
ausgewogen.
Euer neues Album Herzverfall. Was sind so die Hauptthemen?
K: Wie schon gesagt ist das eigentlich die Entstehung einer Beziehung
bis zu ihrem Zerfall. Und da es ja ein Konzeptalbum ist, durchläuft
es sämtliche Phasen. Zwei lernen sich kennen, sich lieben und
im Laufe der Zeit zerfällt die Liebe.
A: Genau. Bei Herzverfall ist es halt so, dass dieses Schöne
eigentlich nur über den ersten zwei Songs ist. Der Hauptaugenmerk
wird auf das Leiden geworfen. Weil subjektiv ist es immer so, dass
glücklich sein immer viel zu kurz erscheint – Obwohl
es ja gar nicht kurz ist. Aber man empfindet immer das Leiden viel
länger. Herzverfall handelt halt vom Verfall der Beziehung.
Deswegen ist auch der Hauptaugenmerk des “glücklich“
gar nicht so glücklich. Das Gewicht ist eher auf das Neh?gative
gelegt – was eigentlich falsch ist, aber in so einem Moment
ist halt alles negativ.
Inwiefern hat sich eure Musik seit Digitale
Gewaltorgien verändert?
A: Also bei Digitale Gewaltorgien waren halt noch andere für
die Komposition zuständig. Von der Melodiengebung her würde
ich halt sagen, dass die Musik auf Herzverfall bestimmt ruhiger
geworden ist, etwas melodiöser. Also dieser Rohdiamant ist
irgendwo abgeschliffen worden und jetzt kommt die richtige Musik
langsam zum tragen. Ohne natürlich die Aggressivität zu
verlassen (lacht).
K: Da werden wir uns wohl noch ein paar Diskussionen hingeben müssen.
Ich habe gelesen, dass ihr früher immer mit
Blutengel assoziiert geworden seid. Was sagt ihr dazu?
A: Wir haben nie Blutengel geähnelt. Nie, nimmer, nein, Null.
Wir wurden halt immer gerne damit verglichen, weil wir bei dem Label
von Chris waren und halt die gleichen Thematiken haben wie Liebe,
Schmerz, Blut. Das Ding ist bloss.....ich finde es ein bisschen
traurig, dass alle möglichen Bands, die in irgendeiner Form
dieselbe Thematik haben, gleich mit Blutengel verglichen werden.
Blutengel sind nicht das Nonplusultra was diese Thematiken betrifft.
Es gab doch schon viel früher diese Bands. Nur weil halt Blutengel
mehr oder weniger die erfolgreichsten in diesem Sektor sind, bedeutet
das nicht, dass andere Bands gleich Blutengel – Klone sind.
Das finde ich ein wenig traurig. Und vor allen Dingen wir haben
jetzt probiert dies ein wenig zu entschärfen, indemh? wir live
z. B. Daisy mit rein genommen haben. Der sitzt hier gerade Hallo
Daisy... Daisy ist unser silent Bob wenn man so will (Gelächter).
Er redet nicht sehr viel aber dafür spielt er umso besser Gitarre.
Klar jetzt könnte man sagen, wir klängen wegen der Gitarre
wie Terminal Choice und ich weiss ganz genau dass das kommt. Aber,
ohne überheblich zu klingen, ich finde meine Kompositionen
sind vielschichtiger als die von Chris Pohl. Tut mir leid. Und noch
mit einem Gerücht wollen wir aufräumen: Wir sind kein
Projekt von Chris Pohl, wir sind ein eigenständiges Projekt.
Ich kann wirklich an meinem Computer zeigen, dass ich all die Songs
gemacht habe!
Was haltet ihr von Schwarzbrennern und MP3’s?
A: Finde ich vollkommen in Ordnung, so lange es Veröffentlichungen
sind, die schon frei auf dem Markt erhältlich sind. Sprich,
so lange die Leute das benutzen, um uns kennenzulernen. Wenn sie
die Musik gut finden, finde ich es aber scheisse, wenn sie dann
Kopien haben. Dann sollen sie gleich das Original kaufen. Aber ich
finde es grundsätzlich ok, denn es gibt so viel Scheiss auf
dem Musikmarkt und deshalb muss man erst mal selektieren. Ich bin
kein Gegner davon. Auch zu sagen, dass ich auf diese Weise Seelenkrank
kennen gelernt habe. Immer noch ein Projekt von Chris Pohl, das
ich geil finde.
Und ihr habt keine Mühe mit den Verkäufen?
A: Doch. Definitiv. Wir haben im Grunde sehr wenig Verkäufe.
Aber Trümmerwelten ist halt auch nicht sehr bekannt. Und das
liegt daran, dass halt h?viel Schwarzkopien im Umlauf sind. Aber was
soll’s. Ich will kein Geld mit TW verdienen. Das Problem ist
bloss, dass wenn die Leute Songs schwarz brennen einem die Labels
dann keine Chance mehr geben, Sachen zu veröffentlichen.
Habt ihr Vorbilder?
K: Also musikalisch gesehen, da ich ja ursprünglich von einem
anderen musikalischen Sektor komme, sind für mich schon von
Kind auf die Cranberries eine meiner absoluten Lieblingsbands. Ich
finde halt, dass sie eine enorme Entwicklung hingelegt haben und
trotz allem auf dem Boden geblieben sind. Das ist ne Band bei der
ich wohl sagen würde, die werde ich immer mögen.
A: Bei mir gibt es verschiedene. Also zur Zeit kann ich sagen Skinny
Puppy, das hat mich bei den neueren Songs so ein bisschen geprägt,
obwohl ich wohl niemals dieses Niveau erreichen werde. Aber alte
Sachen wie z. B. jene von Pitchfork finde ich supergeil. So auch
Seelenkrank, sehr toll! Chris Pohls Projekte halt definitiv –
ich muss halt dazu stehen, weil es ist halt so, dass ich die alte
Musik von Chris Pohl sehr toll finde. Die neueren Sachen, na ja,
man merkt halt, dass er zu kommerziell wurde. Und das mag ich nicht
wirklich. Ähm, was hat mich noch geprägt? David Bowie
ist ein toller Künstler! Wenn ich so geil aussehe wie er wenn
ich alt bin, hey das wäre supertoll! Vieles hat mich geprägt.
Auch dadurch, dass ich DJ bin. Und ich muss zugeben, Lacrimosa hat
mich auch geprägt, allerdings nicht in meiner aktiven Schaffensphase,
sondern davor. Weil meine Texte sind auch ein bisschen selbstmitleidig.
Gerade heute habe ich mir noch eure Homepage angesehen. Wer hat
die Idee mit dem Herzen in der Hand gehabt?
A: Eigentlich sollte dieses Bild das Cover von Herzverfall werden.
Das ging jedoch nicht, es ist halt sehr blutig und es hat Maden
drauf. Und FSK in Deutschland....geht nicht. Und es soll halt diese
Symbolik sein von Herzverfall. Man hält seine Gefühle
in den Händen. Man zeigt es dem Menschen, den man liebt. Das
was man hat, verfault langsam. Und ich mag halt ganz gerne ein bisschen
provokante Sachen machen, auch wenn meine Sängerin das nicht
immer so toll findet (lacht). Da gibt es halt immer Diskussionen.
Weil sie ist halt Ladylike. Ich bin....brachial.
Mögt ihr Horror- und Splatterfilme?
A: Na klar! Braindead ist toll oder American Psycho, obwohl das
Buch besser ist.
Könnt ihr euch an euren ersten Auftritt erinnern?
A: Niemand, der hier ist kann sich daran erinnern, denn ich bin
der einzige, der beim ersten Auftritt auch dabei war! (Gelächter)
Der erste Auftritt war toll, weil ich das Gefühl gehabt habe,
ich müsste kotzen und meine Knien haben total gezittert. Aber
es war halt in einer Disco, in der ich selber auflege. Ein Heimvorteil
sozusagen. Diesen Auftritt habe ich noch zuhause auf Video....jedoch
nicht mehr in so einer tollen Version. Obwohl ich tierisch falsch
gesungen habe, war es sehr schön. Dieses Erlebnis werde ich
wohl nie vergessen!
Wie geht es nach heute Abend mit euch weiter?
K: Wir werden wohl die Nacht hier in Winterthur verbringen. Morgen
früh geht es dann weiter, weil morgen dann ein weiteres Konzert
auf uns wartet. Danach ist aber auch gleich wieder Heimfahrt
angesagt.
Ja, dann bedanken wir uns bei euch für das Interview!
Flurina Mooser
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