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Nach 8 Jahren erstmals
wieder in Deutschland auf der Bühne ... da durfte man gespannt
sein, wie Mastermind Philippe Fichot den multimedialen Auftritt von
Die Form zusammen mit seiner Lebensgefährtin Éliane P.
inszenierte.
Im vollen Hauptsaal des Universal D.O.G. begann die Performance um
23:00 Uhr und Die Form zog das Publikum sogleich in den Bann ihrer
düsteren, morbid-erotischen Traumwelten und liess es nicht mehr
los bis zum Outro, bei welchem Fichot die noch in der Luft an Ketten
hängende Tänzerin befreit und sich anschliessend dem begeisterten
Publikum für einen Augenblick ohne sein mit Schläuchen umwobenes
Gasmaskenkonstrukt zeigt.
Während 90 Minuten wurde dem Zuhörer und Zuschauer ein wahrhaft
intimes, emotional starkes Gesamtwerk dargeboten. Ein Tanz der Finsternis,
eine Reise in die verborgenen, dunklen Triebe der Menschheit, eingebettet
in die Mutter Natur. Videoprojektionen auf Grossleinwand verschmelzen
mit der ausdruckstarken Tanz-Performance von Sabine Seume, das ganze
perfekt musikalisch untermalt mit dark-industrial sowie ambient-elektronischen
Klängen um Soundakrobat Philippe Fichot. Getragen schliesslich
von Éliane P.’s faszinierendem, betörendem, hellen
Gesang. Das musikalische Repertoire war an diesem Abend Abwechslungsreich
zusammengesetzt, von ihren Klassikern anfangs der 80er Jahre (Sex
by force, Slavesex, Savage logic, Bite of God oder Silent order) bis
hin zu Tracks ihrer letzten beiden Alben „InHuman“ (2004)
und „Exhuman“ (2006) war der Sound sehr gut durchmischt.
Die Form haben ihre Liveauftritte in der Zeit ihres Schaffens laufend
weiterentwickelt und teilweise radikal verändert. Die von Sex
und Gewalt dominierten Live-Performances im S/M-Bereich, eingenebelt
mit Trockeneis, permanentem Strobo-Gewitter und einem Gitternetz zwischen
Stage und Publikum, wie ich es 1994 im „StuZ“ in Zürich
erlebte, sind definitiv vorbei.
Auch die Musik von Die Form ist durch die Ergänzung von Streicher,
klassischen Arrangements und einem teils ambient beeinflussten Klangteppich
gegenüber den reinen harten und monotonen Industrialsounds der
Anfangszeit zugänglicher geworden. Ebenfalls wurde Fichot’s
verzerrter Sprechgesang deutlich zurückgenommen. Diesen Wandel
unterstreicht auch die Bedeutung Éliane’s wunderschöner
Stimme, welche auf den neueren Alben klar in den Vordergrund gerückt
wurde.
Stefan Wunderlin
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