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Interview
mit Al Spicher
Hast Du vor
Evil Shit schon andere Projekte gemacht?
Jawohl. Evil Shit ist eigentlich mein fünfter Film. Allerdings
der erste, der für die breite Masse konzipiert ist. Die letzten
Filme haben im ganz kleinen Kreis angefangen.
Beim allerersten Film waren wir nur zu viert, und ich habe auch mehrere
Rollen darin übernommen. Das haben wir aber damals wirklich nur
für uns gemacht. Wir haben noch gar nicht daran gedacht, den
Film einem grösseren Publikum vorzuführen. Er wäre
auch vom Soundtrack her nicht legal gewesen, da wir die Musik aus
unserer privaten CD-Sammlung hatten.
Bei Evil Shit ist das diesmal anders.
Und waren das auch schon Splatterfilme?
Ja. Die Filme gingen auch damals in Richtung Splatter. Wir hatten
schon zu dieser Zeit probiert, ein paar blutige Effekte zusammenzubasteln.
Sind diese Filme auf Video oder DVD
erhältlich?
Nein. Es gibt nur in meinem Kollegenkreis ein paar wenige Kopien.
Wieso drehst du gerade Splatterfilme?
Horrorfilme, Monster und sonstige blutige Dinge haben mich schr?on von
klein auf fasziniert. Ausserdem sind Splatterfilme im Amateursektor
die einzigen, in denen man mit wenig finanziellen Mitteln sehr gute
Resultate zustande bringt, auch wenn man z.B. keine Top – Schauspieler
zur Verfügung hat. In diesem Genre zählen andere Werte.
Gab es einen speziellen Film, der
deine Begeisterung fürs Genre ausgelöst hat?
Einer der ersten Horrorfilme, die ich gesehen habe und der mich dann
vor allem wegen den Effekten umgehauen hat, war American Werewolf.
Damals war ich zirka zehn Jahre alt. Die Verwandlung des Hauptdarstellers
war einfach atemberaubend. Ich würde sagen, das war schon ein
sehr ausschlaggebendes Erlebnis. Er gehört auch heute noch zu
einem meiner Lieblingsfilme.
Hast du einen Lieblingsregisseur?
Ein Vorbild?
Sicher mal allen voran Peter Jackson. Der hat ja im Prinzip genau
so angefangen wie ich und hat nicht viele Filme gedreht. Aber die
Steigerung von Film zu Film ist enorm. Natürlich gefallen mir
auch die Filme von George Romero sehr gut oder zum Beispiel Evil Dead
von Sam Raimi. Obwohl mich dieser in letzter Zeit ein bisschen enttäuscht
hat mit Filmen wie Spiderman.
Wie und wann entstand die Idee zu Evil Shit?
Die Idee entstand bei Filmdiskussionen mit Kollegen oder anderen Splatterfreaks.
Vor allem auch mit den Mitgliedern von Amagortis, einer Metal Band,
die immer voll dabei sind wenn es um Splatter geht. Sie haben auch
schon in meinen früheren Filmen kleine Rollen übernommen.
Vor allem mir?t ihrem Gittaristen habe ich viel diskutiert und auch
gemailt, um Ideen auszutauschen. Somit sind wir dann auch auf die
Idee gekommen, einen Episodenfilm zu machen.
Das war vor gut zwei Jahren, als diese Grundidee entstand. Wir sind
also schon ziemlich lange daran. Wir haben wieder mal ein paar Szenen
gedreht und dann gab’s wieder eine Pause.
Einmal betrug eine Drehpause über
ein halbes Jahr. Wie kam es dazu?
Weil mein vorheriger Film noch nicht fertig war. Die Hauptdarstellerin
ging inmitten des Films für mehrere Monate ins Ausland. Ich brauchte
etwas, um diese Drehpause zu überbrücken. Da das Drehbuch
der ersten Episode von Evil Shit bereits fertig war, begannen wir
also schon zu drehen. Als die Schauspielerin dann wieder zurückkam,
habe ich zuerst den anderen Film fertig gestellt.
Wie kamst du auf den Namen Evil Shit?
Wir haben einfach einen Namen gesucht, der auf jede Art gültig
ist. Er hat ja auch einen direkten Inhaltsbezug. Im Film ist ja auch
eine Episode die Evil Shit heisst. Wir dachten uns einfach, ob jetzt
der Film scheisse wird oder super cool, der Name passt in beiden Fällen.
Um was geht es in deinem Film?
Die ursprünglich geplante Rahmenstory, wie sie auch auf unserer
Website steht, stimmt eigentlich nicht mehr so. Ursprünglich
war geplant, dass die Rahmenhandlung an einer Party stattfindet und
sich ein paar Kollegen im Suff die einzelnen Storys erzählen.
Nun wird er sich aber um ein paar Satanisten drehen, die fünf r?
Leichen aus einer Leichenhalle stehlen. Sie machen mit ihnen ein Ritual.
Die Beschwörung geht in die Hose, die Leichen erwachen völlig
unerwartet zum Leben und erschrecken die Satanisten zu Tode. Daraufhin
erzählen sich die Leichen, wie sie jeweils umgekommen sind.
Möchtest du mit deinem Film
irgendeine Botschaft vermitteln, oder soll er einfach nur Spass machen?
Er soll in erster Linie einfach nur Spass machen. Es geht mir nicht
darum, etwas wirklich neues, innovatives zu kreieren, denn das ist
in diesem Genre sehr schwierig. Wir machen auch bewusst Anspielungen
auf bekannte Filme, wie zum Beispiel Evil Dead. Es soll in gewissem
Sinne auch ein bisschen eine Hommage sein an das Genre.
Hast du das Drehbuch selbst geschrieben, oder
waren da noch andere involviert?
Die Grundideen habe ich natürlich mit anderen Leuten diskutiert.
Aber das Drehbuch und die Dialoge habe ich alle selber geschrieben.
Ich muss aber dazu sagen, dass ich mit den Dialogen sehr flexibel
bin. Ich sage meistens einfach, dass das herüberkommen sollte,
was ich mir ausgedacht hatte. Das muss aber nicht immer wortwörtlich
sein. Manchmal kommen die Schauspieler auf bessere Methoden. Die Schauspieler
spielen auch besser, wenn sie es mit eigenen Worten ausdrücken
können.
Hattest du irgendwelche Inspirationen beim Schreiben der Geschichte?
Ja klar, ob jetzt bewusst oder unbewusst. Ich habe schon extrem viele
Filme gesehen und irgendwo im Hinterkopf hat man dann Szenen, die
man schon irgendwo gesehen hat. Obwohlr? man meistens nicht mehr genau
weis, woher man sie hat.
Machst du die Spezialeffekte selbst, oder
hast du dafür jemand anderen?
Für Waffen oder andere Teile aus Metall habe ich einen Kollegen
der das übernimmt. Aber die Bluteffekte mache ich alle selbst.
Aus wie vielen Personen besteht
dein Filmteam? Gibt es irgendwie so was wie ein Hauptteam?
Nein. Der Einzige, der bei jedem Dreh dabei ist, bin ich. Das heisst,
wenn ich selber nicht spiele übernehme ich zum Beispiel die Kamera.
Natürlich habe ich auch Kollegen, die mir bei den aufwändigeren
Szenen assistieren und aushelfen.
Und woher hast du die Schauspieler?
Am Anfang waren es nur Leute aus meinem Kollegenkreis. Es kommen aber
immer wieder neue Interessenten dazu, die ich gar nicht richtig kenne.
Kollegen von Kollegen, die Interesse zeigen. Grundsätzlich ist
eigentlich jeder, der motiviert ist, bei meinem Projekt willkommen.
Wird der Film auf Hochdeutsch oder
in Dialekt gedreht?
Er wird auf Hochdeutsch gedreht, was natürlich vor allem auch
mit der nachträglichen Vermarktung zu tun hat. Ein auf Mundart
gedrehter Film ist sehr schwer ins Ausland zu verkaufen.
Wo wird gedreht? Ich habe etwas von der so genannten Amagortishütte
gelesen.
Hauptsächlich in Düdingen und Umgebung. Wir hatten das grosse
Glück, für Evil Shit ein altes Bauernhaus zur Verfügung
zu haben. Es war das frühere Probelokal der befreur?ndeten Band
Amagortis, woher auch der Name kommt. Es ist inzwischen abbruchreif,
und wir konnten uns dort austoben, wie wir wollten. Wir haben sehr
viel in diesem Haus gedreht.
Wer wird für den Soundtrack
des Filmes verantwortlich sein?
Stimmungsmusik, die in den gruseligen Momenten des Films eingesetzt
wird, machen wir selber. Wir benutzen dazu ein Keyboard. Für
Musik, die dann richtig abgeht, haben wir Metal Bands der ganzen Schweiz
angefragt. Das hat hauptsächlich Dänu, der Gittarist von
Amagortis, in die Wege geleitet. Alle Bands, die für den Soundtrack
verantwortlich sind, haben uns zuvor eine CD zugeschickt. Sie sind
allesamt auf unserer Homepage aufgelistet. Das Ganze ist sehr metallastig.
Wie hoch ist euer Budget, wenn es
überhaupt eins gegeben hat?
Wir haben eigentlich kein fixes Budget. Es hatte niemand Gage. Alle
haben umsonst und aus Spass mitgearbeitet. Die einzigen Kosten sind
die leeren DV-Kassetten, die Kamera, das Material für die Effekte
und das Kunstblut. Das bezahle ich aber alles aus eigener Tasche.
Wie sieht euer Equipment aus? Auf
was wird gedreht?
Eigentlich sehr amateurhaft auf einer 3CCD Digital Videocam. Das Bild
ist aber zu meinem eigenen Erstaunen ziemlich gut. Ich habe aber vor,
den nächsten Film auf einer zumindest semiprofessionellen Digitalkamera
zu drehen. Für den Ton haben wir das eingebaute Mikrofon der
Kamera verwendet.
Was sind dir?e grössten Probleme,
mit denen du zu kämpfen hast?
Auf jeden Fall das Organisieren der jeweiligen Drehtage. Vor allem,
wenn mehrere Leute beteiligt sind. Bis mal jeder Zeit findet. Es ist
ja nicht so, dass wir das professionell machen. Das heisst, wir drehen
dann, wenn alle Zeit haben und nicht zu einem vorbestimmten Zeitpunkt.
Meistens wird sowieso nur an den Wochenenden gedreht und dann gibt’s
es halt nicht selten, dass dann jemand nicht kann.
Gerade bei der letzten Episode, die wir gedreht haben, mussten wir
etwa drei mal Rollen umbesetzen, weil diejenigen, die ursprünglich
für die Hauptrolle vorgesehen waren, einfach nicht aufkreuzten.
Wir haben dann die Hauptrolle dem gegeben, der eigentlich für
die Nebenrolle vorgesehen war. Hatten aber dann natürlich wieder
das Problem, dass die Nebenrolle, unbesetzt war.
Ich habe gelesen, dass bereits vier
der fünf Episoden abgedreht sind? Wann wird der Rest gedreht?
Es fehlt noch die Episode Evil Shit und die Rahmenhandlung. Dafür
bin ich noch mit potenziellen Darstellern am Verhandeln. Das heisst,
die Rollen sind noch nicht alle definitiv besetzt. Aber sobald das
geklärt ist, wird mit dem Dreh begonnen.
Schneidest du die gedrehten Episoden
fortlaufend oder wartest du darauf, bis alles abgedreht ist?
Ich habe schon mal einen Pre-Cut gemacht. Es hat aber noch keine Soundeffekte
darin. Es soll einfach mal ein Test sein, ob der Ablauf so funktioniert,
wie ich ihn mir gedacht habe und ob die Szenen gut wirken. Das heisst,
ein Teil der Schnittarbeit istr? bereits gemacht.
Wann soll der Film fertig sein? Hast
du dir da irgendeinen Termin gesetzt?
Ich habe mir fest vorgenommen, den Film noch dieses Jahr zu veröffentlichen.
Diese Frage wird mir sehr oft gestellt. Es gibt viele Leute, welche
die ganze Zeit drängen, wann er denn endlich fertig sei. Aber
eben, es kann immer wieder etwas dazwischen kommen. Deshalb möchte
ich mich auch nicht auf ein genaues Datum fixieren.
Wird es einen Trailer für die Ungeduldigen geben?
Ich habe da mal an so etwas herumgebastelt, er ist aber noch nicht
fertig. Es wird aber auf jeden Fall einen auf der geplanten DVD geben.
Werden auf dieser DVD dann auch deine alten Filme vorhanden sein?
Vielleicht kurze Teaser der Filme. Ich hatte damals leider noch keinen
Computer für den Schnitt und auch die Bildqualität lässt
schwer zu wünschen übrig. Ich habe das damals noch mit einem
analogen Schnittpult gemacht. Damals war auch nur eine Spur zur Nachvertonung
möglich. Heute hat man natürlich viel bessere Möglichkeiten
mit mehreren hundert Spuren.
In welchem Alter hast du deinen ersten Film gedreht?
Das war so ca. mit 12 Jahren. Damals habe ich mit der Videokamera
meines Vaters und mit Hilfe meiner Spielsachen die ersten Animationsfilme
gemacht.
Du hattest also schon damals grosses Interesse an der Filmerei?
Jawohl. Ich spielte schon damals mit dem Gedanken, Regisseur zu werden.
Ein Berufswunsch, der r?mir allerdings auch lange vorschwebte, war Comiczeichner.
Ich habe da sogar mal einen Wettbewerb im Blick gewonnen und durfte
einen Workshop mit einem Proficomiczeichner besuchen. Der hat mir
aber dann gesagt, dass es nicht möglich sei, in der Schweiz von
diesem Beruf zu leben. Die Szene hierzulande ist einfach zu klein.
Er selbst habe nebenbei noch zwei Jobs, um zu überleben. Somit
ist dieser Traum dann auch gestorben.
Ich habe gehört, dass du im
Moment irgendeine Kunstschule besuchst. Welche ist das genau?
Das ist die EMAF (école de multimedia et d’art de fribourg).
Diese Schule gibt es noch gar nicht so lange. Wir sind immer noch
eine Prototypklasse. Wir sind die erste Klasse, die nur drei Jahre
Ausbildung hat. Vorher waren es vier. Am Anfang haben wir da noch
ziemlich viel gezeichnet und gemalt. Inzwischen geht es aber immer
mehr in den technischen Bereich.
Lange wusste ich gar nicht, dass es diese Schule gibt. Ich habe nach
meiner Matura eine Stelle im Bereich Film und Fernsehen gesucht. Ich
habe dann von SFDRS Unterlagen bekommen. Darin habe ich gesehen, dass
der einzige Beruf auf diesem Gebiet, in dem eine Matura gereicht hätte,
Drehbuchautor ist. Dafür muss man allerdings ein Mindestalter
von 25 Jahren haben. Da ich damals noch wesentlich jünger war,
suchte ich etwas anders. Damit wurde ich dann auf diese Schule aufmerksam,
welche eigentlich alle meine Interessen vereint.
Dann hast du in dem Falle das Ziel,
später einmal von deinem Job beim Film zu leben?
Ja, auf jeden Fall. Es interessiert mich er?infach alles im Bereich
Film und Fernsehen. Ich weis eigentlich auch nicht genau, was mir
am besten gefallen würde in dieser Sparte. Ich mache alles gerne.
Vom Filmen über die Regie bis zum Schnitt. Das ist auch der Grund,
wieso ich bei Evil Shit alles selber mache. Ich möchte keine
der Arbeiten an jemand anderen abtreten.
Weitere Infos und Fotos zum Film
Evil Shit findet ihr auf der offiziellen Homepage
www.evilshit.ch.vu
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